Mord im Musikantenbeisl

Auszug aus der gleichnamigen Volksmusik-Krimikomödie
mit Texten von Ronny Rindler und Musik von Rory Six
Urauführung: 28. Januar 2012, Theater Drachengasse (Wien)

2. Szene – Das Verhör

     (Nachdem HELENE ZWITSCHER, DIE LÜBECKER TERZBUBEN und HEIDI HEIDA auf der Bühne Platz genommen haben, beginnt OTTFRIED SCHNÜFFLER mit seiner Ansprache)

OTTFRIED:
Liebe Künstler, Liebes Publikum! Bei einem so „außergewöhnlichen Todesfall“ ist ein Kapitalverbrechen nicht auszuschließen. Daher bin ich als Polizeibeamter leider verpflichtet, den Tatort abzusichern. Das heißt, dass Sie bis zum Eintreffen meiner Kollegen von der Spurensicherung den Feiersaal unter keinen Umständen verlassen dürfen. Mehr noch: Sie alle sind wichtige Zeugen in diesem Fall. Sollte es sich um einen Mord handeln, so bin ich der hundertprozentigen Überzeugung, dass sich der Täter noch immer unter uns befindet.

 HELENE:
Nein!

 DETLEF:
Jetzt machen Sie doch keine Panik.

 OTTFRIED:
Ich werde Ihnen nun einige Fragen stellen. Ich beginne bei Ihnen Frau Zwitscher.

HELENE:
Haben Sie denn gar keinen Respekt? Wissen eigentlich, wie nah mir das hier geht?

OTTFRIED:
Nein, aber Sie werden es mir sicher erzählen.

HELENE:
Caroline und ich wir waren doch nicht nur Kollegen.

UWE:
So kann man das auch ausdrücken.

HELENE:
Bitte?

OTTFRIED:
Beruhigen Sie sich.

HELENE:
Ich soll mich beruhigen? Wie reden Sie überhaupt mit mir? (beginnt zu schluchzen) Caroline ist tot. Das ist doch nicht möglich. Ich halte das nicht aus. Ich gehe.

OTTFRIED:
Ich muss Sie leider bitten, zu bleiben.

HELENE:
Wieso?

OTTFRIED:
Weil sie in einen Mord verstrickt sind.

HELENE:
Ich?

OTTFRIED:
Ja Sie.

HELENE:
Was soll ich auf der Herrentoilette?

UWE:
Vielleicht hielten Sie sich ja für besonders clever? Und dachten so scheiden Sie als Verdächtige aus?

HELENE:
Das ist doch lächerlich. Wann hätte ich Sie denn umbringen sollen?

OTTFRIED:
In der Zeit, als Sie das Studio für Ihren Umzug verlassen hatten.

UWE:
Aber … Waren Sie nicht auch viel zu spät beim Finale?

HELENE:
Was hat das denn damit zu tun?

UWE:
Sie mussten Spuren beseitigen.

OTTFRIED:
Und ich habe Sie vor der Sendung über ihr Mikrofon schimpfen hören.

HELENE:
Wenn jeder, der hier schimpft, gleich jemanden umbringen würde, dann wäre das hier ein Massengrab.

UWE:
Wie Geschmacklos. Sie hatten die Zeit Caroline umzubringen.

OTTFRIED:
Sie alle hatten die Zeit dazu.

DETLEF & UWE & HELENE & HEIDI:
Was?

OTTFRIED:
Sie alle haben während der Sendung mindestens einmal das Studio verlassen. Sie alle hatten eine Möglichkeit Caroline Schrubber umzubringen.

UWE:
Wissen Sie eigentlich, was Sie da sagen?

DETLEF:
Wenn das die Presse mitbekommt, dann ist die Karriere heidi.

HEIDI:
Yes?

UWE:
Das wars!

HEIDI:
Oh!

DETLEF:
Und tschüss!

    (Heidi Heida erhebt sich und tastet sich in Richtung Ausgang)

HELENE:
Halt! Haltet sie auf!

OTTFRIED:
Fräulein Heida? Wo wollen Sie hin? Heidi? Stopp! Hold! Hold! Heidi, hold!

 UWE:
Ich bitte Sie. Das arme Kind ist blind!

DETLEF:
Eben! Genau das macht sie ja so verdächtig. Sie hat Caroline umgebracht.

UWE:
Detlef!

 OTTFRIED:

    (Er stellt sich vor sie, sie läuft gegen ihn, tastet ihn unsichtlich aber amüsiert ab, er nimmt ihre Hände)

 I must you please to stay.

DETLEF:
Hat sie nicht das Opening verpasst? Wo war sie bitte die ganze Zeit? Und zu ihrem Auftritt findet sie plötzlich ganz allein den Weg ins Studio? Pünktlich aufs Stichwort? Ich sage Euch, DAS ist doch verdächtig!

OTTFRIED:
Und wer ununterbrochen andere beschuldigt, der macht sich selbst verdächtig. Ist es nicht so?

    (DETLEF verstummt)

 Ich halte es jedoch tatsächlich für unwahrscheinlich, dass die blinde Heidi eine Mörderin ist.

UWE:
Aber dann lassen Sie sie doch gehen, um Himmels willen!

HELENE:
Hier wird also schon mit zweierlei Maß gemessen.

OTTFRIED:
Allerdings kann ich es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausschließen. Und sie könnte eine wichtige Zeugin sein.

HELENE:
Prima Idee. Erstellen Sie doch am Besten gleich ein Phantombild mit ihr.

OTTFRIED:
Hat sie nicht zum Tatzeitpunkt auf ihren Auftritt gewartet? Wenn ja, dann stand sie in unmittelbarer Nähe der Herrentoilette. Vielleicht gab es ja einen Streit und sie erkennt den Mörder an der Stimme?

DETLEF:

    (räuspert sich – mit übertrieben tiefer Stimme)

 Aha. Interessante Theorie.

OTTFRIED:
Ich werde nun von jedem Verdächtigen den Namen, das Alter und den Geburtsort notieren. Beginnen wir bei Ihnen Frau Zwitscher.

HELENE:
Ha! Das könnte Ihnen so passen. Was bilden Sie sich denn ein? Mir reichts!

UWE:
Genau. Recht hat sie.

DETLEF:
Wer sind Sie überhaupt?

OTTFRIED:
Ottfried Schnüffler. Kriminalaußenstelle…

HELENE:
Ach bla bla bla. Bloß weil Sie in Ihrer lustigen Provinzkapelle den Taktstock schwingen, gibt das Ihnen noch lange nicht das Recht uns hier festzuhalten.

OTTFRIED:
Ich war Kriminalkommissar.

DETLEF:
Das ist der Punkt: Sie waren.

HELENE:
Sie sind ein Versager und jetzt nutzen Sie dieses Unglück schamlos aus, um sich zu profilieren.

OTTFRIED:
Stopp!

    (Musik von „Ich krieg alles raus“ setzt ein)

 Sie haben doch keine Ahnung. Ich hatte die besten Ermittlungsergebnisse von ganz (ORT DER AUFFÜHRUNG). Aber dann hat mir das Leben einen Strich durch die Rechnung gemacht.

    Eines Tages kam ein Mädel in mein Zimmer rein
Sagte mir: Ich habe Angst und fühl mich sehr allein
Auf der Arbeit im Büro da werde ich gemobbt
Sie sagte:
Find‘ raus wer es ist, denn ich will dass es stoppt
Ich sagte: Süße keine Angst, Angst, Angst
Ich gebe Dir, was Du verlangst, langst, langst
Ich bin ein Bulle durch und durch, durch, durch
Drum Schnecke hab nur keine Furcht, Furcht, Furcht

Ich brauch erst gar kein Verhör, ich diskutier nicht groß
Denn bei meinem Blick, da quasselt jeder los
Ich zieh die Handschellen raus und mach die Waffen scharf
Und verhinder dass wer tut, was er so gar nicht darf
Ich bin ein starker Hengst, Du ne süße Maus
Also hab keine Angst
Ich krieg alles raus.
Ich krieg alles raus.

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